Über den Umgang mit Stoffen…

Über den Umgang mit Stoffen…

Man weiß genau was man will…

Mittlerweile weiss ich zum Glück, dass es für Menschen, die sich ihre Kleidung gern selbst nähen typisch ist, über ein Stofflager zu verfügen, dass von groß bis hin zu „gewaltiges Ausmass“ ist. Das hat die verschiedensten Ursachen. Ich kenne einige davon und ich versuche sie mal aufzuzählen.

Im günstigsten Fall habe ich eine genaue Vorstellung von dem, was ich nähen möchte und weiss, was ich dafür brauche. Und noch günstiger, wenn es sich um eine so präzise Vorstellung handelt, wie z.B. ein rotes T-Shirt. Dann kaufe ich roten Jersey. So weit so gut. Aber hier kommt es jetzt zu den ersten verhängnisvollen Situationen: Der Stoffladen hat leider nicht nur roten Jersey, sondern noch viel, viel mehr schöne Stoffe, die man leider sieht und beginnt zärtlich zu streicheln. Dort nimmt das Schicksal oft seinen Lauf und man verlässt das Geschäft mit dem roten Jersey (sehr gut!) und um die 2 oder 3 weitere Stoffe (weniger gut!). Bei Letzerem ist noch zu unterscheiden, ob man eine genaue Vorstellung hat, was man daraus machen will oder man einfach nur in den Stoff hoffnungslos verliebt war.

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In beiden Fällen kann es darauf hinauslaufen, dass diese Stoffe erstmal im Lager landen oder dann früher, meist später, verarbeitet werden. Ganz schlecht ist es, wenn sich zwischenzeitlich der Geschmack ändert, die Stoffe immer weiter nach unten rücken und man sie irgendwann vergessen hat. Beim nächsten Durchsuchen zeigen sie sich dann wieder und man denkt entweder „wow, den habe ich ja auch noch“ – dann rückt er um einige Stoffe nach oben oder „was hat mich denn da geritten???“ – dann bleibt er wo er ist.

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Jetzt gibt es natürlich auch die Möglichkeit, den Beispieljersey im Internet zu kaufen. Hier fällt das Streicheln aus, zumindest weiss ich bisher von niemanden, der verträumt über den Bildschirm streicht. Je nach Anbieter kann man recht schnell zu seinem Wunschstoff finden, die Menge eintragen und in den Warenkorb legen. Manchmal springt dann ein Fenster auf, das einem sagt, was man sich gerade ausgesucht hat und vor die Wahl stellt, ob man gleich zur Kasse will oder den Einkauf fortsetzen möchte. Ehrlich gesagt glaube ich, dass der Knopf „Jetzt zur Kasse“ nur so ein Fakeknöpfchen ist. Ich habe es noch nie ausprobiert, denn vor die Wahl gestellt, bekomme ich dieses leichte Panikdenken: „Jetzt bestellst Du schon, überleg nochmal genau, ob Du nicht doch noch was brauchst!!!“ – Ergo: „weiter einkaufen“, zur Kasse kann man ja immer noch (Trugschluss!). Und dann schweift der Blick in die vielfach links eingerichtete Seitenleiste mit den Stoffangeboten und innerhalb kürzester Zeit wird einem plötzlich klar, dass man erst jetzt weiß, was einem alles gefehlt hat und was man eigentlich definitv nicht braucht. Der Ausgang ist am Ende wie im Stoffladen. Für diejenigen Leser, die nicht nähen: Das ist so ungefähr der gleiche Effekt wie in der Tüdelkramabteilung von Ikea.

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Erst Statist und jetzt die Hauptrolle

Erst Statist und jetzt die Hauptrolle

In meinem letzten Blogbeitrag von Donnerstag hatte ich angekündigt, noch einmal separat auf die Oberteile einzugehen, die ich zu meinen Shorts Juniper trug. Es war eigentlich anders geplant, aber als ich sah, was ich da alles trug, wäre es den Oberteilen nicht gerecht geworden, wenn sie lediglich nur kurz als Statisten erwähnt werden.

Darum bitte ich Euch jetzt, Euer Augenmerk auf die Oberteile zu richten. Wer etwas zu den Unterteilen wissen möchte, kann gern nochmal hier nachlesen.

Bühne frei für das Neckholder Top von Beekiddie.

Ich habe es aus einem hellblauen Jersey mit silbernen Ornamenten genäht. Es war eine Rabattaktion bei Makerist gepaart mit einigen heissen Sommertagen hier, die mich dazu bewegten, dieses BeeNeck Shirt zu nähen. Das schöne daran ist, dass man die Träger auch hinten befestigen kann. Bisher habe ich im Nacken einen Knoten gemacht, überlege mir aber eventuell für den nächsten Sommer eine Variante, wie ich beides haben kann.

Über das nächste Shirt habe ich bereits schon berichtet, scheue mich aber nicht, es nochmal zutun, weil ich in den Schnitt sooo verliebt bin. Es ist das Artemis von Lasari Design, das ich jetzt schon 4 mal vernäht habe, ein 5. aus weissem Jersey ist in Planung und für den Winter habe ich bereits Wollstoff, um mir die langärmelige Version als Pullover zu nähen.

Ja, ihr seht ganz richtig, ich habe bereits ein Artemis in weiss, aber der Stoff scheint reiner Polyester zu sein und an warmen Tagen entwickelt sich ein Geruch, der die Menschen um einen herum die Nase rümpfen lässt – was meist weit vor dem Moment geschieht, bevor man es selbst bemerkt. Um die beiden Shirts unterscheiden zu können, werde ich das nächste weisse Artemis wahrscheinlich mit 3/4 Ärmeln nähen.

Das letzte Artemis ist aus einem Jersey, mit orange-lila Ringeln. Ich wollte es eigentlich noch zu der Aktion 12 Colours of Handmade Fashion dazu nehmen, bis ich später auf den Fotos sah, dass es fast nur orange aussieht. Oh je, hatten wir Orange schon? Ich hatte eigentlich vor, keine Fotos vor Bekanntgabe der neuen Farbe zu posten… Für den Fall, dass Orange drankommt, betrachtet das Foto als Sneak Preview oder besser noch als antizipierter Sneak Preview.

Die nächste Teilnehmerin im Bereich Oberteile ist Hera. Wardrobe by me, ein dänisches Label von der lieben Christina Albeck, stellte diesen vor einiger Zeit auf Facebook gratis zur Verfügung. Nach der Frida Shorts und dem Slipdress ist es mein 3. Schnitt von ihnen. Warum ich ausgerechnet diesen gut gereiften Chiffon aus meinem Stofflager nahm – tja, diese Frage stellte ich mir während des Nähens auch immer wieder, wenn die untere Stofflage nach links, die obere nach rechts, ich aber beide Teile unter dem Nähfuss gern geradeaus gehabt hätte. Chiffon eben. Die restlichen Meter davon habe ich jetzt erstmal ganz nach hinten verbannt, bis ich nächstes Jahr vielleicht wieder vergessen habe, wie frustrierend er ist.

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Kiss my Stripes

Kiss my Stripes

Als ich mit ca. 16 oder 17 Jahren von den Eltern eines Freundes (sie waren in der Textilbranche tätig) einen blau weiß gestreiften Stoff geschenkt bekam, nähte ich mir meinen ersten Overall. Er hieß damals noch Overall und nicht Jumpsuit. Ich nähte ihn ganz ohne Schnitt wie so ziemlich alles damals. Und wenn ich mich recht erinnere war es das letzte Kleidungsstück mit feinen, blauen Streifen (bis auf die Upcycling Shorts aus einem Fischerhemd). Ich hätte mir den Stoff wahrscheinlich auch nie gekauft, aber ich bekam ihn geschenkt und es waren viele Meter. Leider gibt es davon nicht mal mehr ein vergilbtes Foto, aber ich weiss, er hatte Druckknöpfe, lange Ärmel und Beine  und ich war stolz wie Bolle.

Ein paar-und-40 Jahre später, bestelle ich in voller Absicht und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte wieder Streifenstoff, obwohl ich, und da bin ich mir zu 80% sicher, bis dahin nie wieder Streifen trug oder vernähte (bis auf die Upcyclingshorts aus einem Fischerhemd). Ringelshirts, ja. Aber Streifen… nee, ich glaube nicht.

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Anfang des Jahres entschied ich mich, bei den 12 Colours of Handmade Fashion von Selmin teilzunehmen und ich habe bisher keinen Monat, egal wie herausfordernd die Farbe ist, ausgelassen. Ich mag ihre Aktion, ihren Blog und die Art wie sie schreibt.

Warum eigentlich 12 Colours of Handmade Fashion?

Ich gehe mal davon aus, dass nicht jeder, der hier mitliest weiss, weshalb diese Aktion ins Leben gerufen wurde. Jeder hat so seine Lieblingsfarben bei Kleidung. Bei mir herrschen im Sommer die hellen Farben vor . Ich habe Unmengen an weißen T-Shirts und Blusen. Im Winter hingegen trug ich bis letztes Jahr vorwiegend dunkle Farben, meist Schwarz. Das ging soweit, dass ich so viel Schwarz im Schrank hatte, dass ich die zusammengelegten Teile nicht mehr voneinander unterscheiden konnte und mich dazu entschied, meine Pullover nach Auschnitten zu sortieren. Das dämmte das Problem ein wenig ein. Ziel dieser Aktion ist es aber, den Kleiderschrank ein wenig bunter zu machen. Und es ist erstaunlich, wie man plötzlich neue Farben für sich entdeckt… und plötzlich auch Muster.

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So lieben viele Teilnehmerinnen Streifen. Ich lese seit Monaten „Streifen gehen immer“. Ähnlich wie bei meinem Spucktuchstoff, blieb ich beinhart und widerstand erstmal. Das hielt so lange an, bis ich bei irgendjemanden die erste Bluse mit Ballonärmeln sah und von jetzt auf gleich wusste, es muss g-e-n-a-u diese Blusen sein. Und diese Bluse war blau weiss gestreift. Ich zog los und kaufte den Stoff ohne zu wissen, welchen Schnitt ich wählen würde, noch wieviel ich dafür bräuchte.

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Ich sehe rot… 12 Colours of Handmade Fashion

Ich sehe rot… 12 Colours of Handmade Fashion

Ja, was soll ich sagen – der eine oder andere erkennt das Kleid wieder und denkt sich, dass es das letzte mal aber blaugestreift war. Hier ist jetzt keiner Farbenblind, ich musste diesen Schnitt nur unbedingt nochmal machen und als Selmin aka Tweed and Greet für die 12 Colours of Handmade Fashion rot bekannt gab, war ich schnell entschieden, es nochmal mit roten Ringeln zu nähen. Darum kann ich hier wenig Neues erzählen und beschränke mich einfach auf die Farbe.

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Roter Teppich, Rotkäppchen und der Wolf, Rotkäppchen Sekt, rotes Tuch, Alarmstufe rot, rote Rosen, Rötung, Morgenrot, Abendrot, blutrot, rote Augen, Signalrot, rosarote Wolke, roten Kopf kriegen, es fehlt der rote Faden.

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Rostrot, Rot werden, die rote Lola, das Rote Meer, Rotkohl, Rothaut (politically totally incorrect!), Rotkehlchen, Rotwild, Rot am Mann (ach nee, dass war Not), Rot am See (ein Ort in Baden Würtemberg), Rothenburg, Rottweiler (keine Beschwerde bitte, da steckt das Wort rot sehr wohl drin. Den Rotstift braucht Ihr jetzt nicht ansetzen.

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My Lady… jetzt hat sie ein Gesicht

Über konsequente Inkonsequenz oder inkonsequente Konsequenz

Beim Unkrautjähten habe ich gerade darüber nachgedacht, wie ich heute beginne und ein Gedanke war: „Ich nähe nicht oft Schnittmuster mehrfach.“ Dann dachte ich daran, was ich normalerweise so nähe und konnte diesen Gedanken alsbald in die Tonne treten. Ich bin ein gnadenloser Wiederholungstäter, der sich scheinbar manchmal selbst etwas vormacht.

So halte ich mich auch für konsequent, bin aber in der Konsequenz bisweilen sehr inkonsequent. Nach welchem Schema, kann ich nicht sagen, ich höre da einfach auf meinen Bauch. Aber so ist auch die Inkonsequenz der Konsequenz wiederum konsequent. Ich lass Euch mal eine Weile über diesen Satz nachdenken.

Derweil ihr noch darüber nachdenkt, präsentiere ich schon mal ein paar Fotos meiner My Lady Topas von Mialuna bzw. das Freebook von Farbenmix. Übrigens habe ich extra gegoogelt.. ganz oberkorrekt heißt es My Lady und nicht Me Lady. Das wird auch verwendet, aber wenn man von Hoheiten spricht, wird es My Lady geschrieben, aber ausgesprochen wie Me Lady.

Lady Topas 1
Lady Topas 2
Lady Topas 3

Im Detail

Ich kann dafür leider keine schönen Worte finden, weil es sich so tief in meinen Kopf eingegraben hat, dass es mir schwerfällt, einen anderen Namen dafür zu nehmen, auch wenn es diverse dafür gibt. Ich spreche von meinem Spucktuch Top. Kaum ein Stoff polarisiert so sehr, wie dieses Spucktuch. Als ich die ersten Stoffe online sah, war ich sicher: Wir werden keine Freunde. Zu sehr erinnert es mich an die Zeit, wo ich über mehrere Monate (oder gar Jahre?) mit diesen weißen Tüchern über der Schulter rumgelaufen bin, während Sohn Nr. 1 und 2,5 Jahre später Sohn Nr. 2, über dem Spucktuch hingen, ich den Rücken von den Würmern klopfte, auf das Bäuerchen wartete, was in den meisten Fällen von vorverdauter Milch begleitet war und dann im günstigsten Fall im Spucktuch landete. Meist natürlich daneben oder es war so viel, dass es durch das Spucktuch durchging.
Es sei nicht zu vergessen, dass diese Spucktücker zudem die  Vorgänger von Pampers, Fixies, usw. waren. Auch da landete die Milch drin, allerdings komplett verdaut und noch übelriechender.

Warum in aller Welt sollte ich mit diesen Erinnerungen im Kopf mir ein schönes Kleidungsstück aus diesem Stoff nähen (nebenbei fand ich es eine Frechheit, dass die Spucktücher jetzt meterweise und auch noch doppellagig kommen. Die hätte ich vor 30 Jahren gut gebrauchen können!)
Alles in mir wehrte sich gegen dieses Material.
Insgesamt blieb ich bestimmt 4 Monate völlig konsequent. Wenn in mancher Instastory die eine oder andere Erzählende zärtlich über den Windelstoff streichelten, die schönen Muster darauf anpries und mit verklärtem Blick erzählte, was daraus vielleicht alles entstehen könnte, saß ich kopfschüttelnd davor und dachte mir „im L E B E N nicht!!!“
Lest Ihr noch mit oder denkt Ihr noch über meinen philosophischen Ausbruch oben nach?
Instagram sowie auch die Startseiten der meisten Onlineshops wurde mit steigenden Temperaturen von Musselin, Double Gauze, Crinkle Denim…. also Spucktuch- und Windelstoffen geflutet. Es wurde alles daraus genäht. Tücher, Shirts, Blusen, sogar Röcke und Kleider. – Nein, nein, nein … dieser Trend wird an mir vorübergehen. Ich muss ja nicht alles mitmachen.

Gehirnwäsche? – Oder wie mein Wille gebrochen wurde

Mein starker Wille, meine stahlharte Konsequenz wurde zum ersten Mal mächtig auf die Probe gestellt, als ich auf dem Blog meiner lieben Blogfreundin Jenni aka Basteltantes Nähkästchen war. Sie schrieb so begeistert von ihrem Crinkle Denim, den sie zuvor gewonnen hatte und wie toll er sich anfühlt. Wer mag kann gern auf den Link zu ihrer Seite klicken und nachlesen, was ihr in die Kommntarbox schrieb.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits schon so eine ganz leise Vorahnung, dass ihr Beitrag meine Gedanken auf hinterhältigste Weise infiltriert würden. Kurz zuvor hatte sie ein Wickelkleid gezeigt und wer nähte sich bald danach ein Wickelkleid … ich!! (Zu meiner Rettung: Es ist ein Kleid in Wickeloptik).
Wie es dann weiterging, weiß ich gar nicht mehr genau – wahrscheinlich habe ich diesen Teil verdrängt und könnte nur über Hypnose wieder drankommen. Ich erinnere nur, dass ich für die Monatsfarbe Blau auf der Suche nach Stoffen war und irgendwann kam ein Paket von Alles für Selbermacher, in dem über ein Meter (bestelltes) Spucktuch war. Ich öffnete das Paket und  es passierte genau das, was ich nicht wollte:  Ich saß verträumt vor diesem Stoff, streichelte ihn und dachte mit verklärtem Blick an schöne Oberteile, die ich mir daraus nähen könnte. Ein letzter Rest Selbsterhaltungstrieb hielt mich davon ab, spontan eine Instastory zu machen.

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Milliblus – viel mehr als Anfängernähen

Wie heißt es immer so schön im Fernsehen: Der nachfolgende Beitrag wird Ihnen präsentiert von….
(was oder wer auch immer…)
Mein heutiger Beitrag wird nicht präsentiert von Milliblus, sondern ganz allein von mir und meiner Liebe zu ihren Stoffen.
Wir sind erst seit dem Frühjahr zusammen und haben uns rein zufällig durch das Internet kennengelernt. Unser erstes Date, das durch das Königskind in Friedberg ermöglicht wurde, war der Jersey mit Frauenköpfen. Ich sah den Stoff und wusste sofort – der ist es!!! Es war Liebe auf den ersten Blick.

Ich verblieb erstmal bei den Frauengesichtern, denn ich entdeckte schon beim ersten Besuch im Stoffladen den wunderbaren rosafarbenen Stoff aus Webware mit Elastananteil. In Verbindung mit der ersten Stoffliebe und der Sehnsucht nach Frühling, mit den einhergehenden Frühlingsgefühlen, kaufte ich den Stoff und nähte Shorts.

 

Liebe auf den 2. Blick

Mit dem Shirt und den Shorts war ich glücklich. Doch ich hatte ja noch mehr Stoffe entdeckt und der Frühling und somit auch unser Urlaub nahte.
Ich brauchte Kleider. Und wer hatte den passenden Stoff für meine Kleider? Oder war es eher andersrum, dass ich den Stoff sah und sofort dazu Kleider im Kopf hatte – ach, wie in jeder Liebesbeziehung vergisst man manchmal kleine Details.

 

 

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Hamburg-Oslo und die Höhepunkte des 1. Urlauibteils





Anmerk.: Ich werde diesen Beitrag bei Rums verlinken, weil ich ihn ganz allein für mich schreibe. Ich hatte auf dem Hafengeburtstag wie auch in Oslo diverse selbstgemachte Kleidung dabei.. In erster Linie ist dieser Beitrag aber für mich, um die letzten Tage, die mein Partner mir geschenkt hat, noch einmal genießen, feiern und verarbeiten zu können. Sämtliche Fotos (bis auf die Oberen) stammen von mir.

Jetzt bin ich seit heute nachmittag ca. 16:00 Uhr von unserem ersten Urlaubsteils zurück. Die Waschmaschine hat schon 2 Ladungen gewaschen, die Dank des Wetters heute nacht draußen trocknen dürfen, um dann zum Teil in den nächsten Koffer wandern zu können.

Wenn ich mir überlege, dass ich zuletzt vor 5 Nächten in meinem eigenen Bett schlafen konnte, ist es mir fast ein Rätsel wie ich die letzten Tage seit Samstag (heute ist Donnerstag) mit so viel Erlebnissen unterbringen konnte.
Erste Station war, wie schon vielfach angekündigt, der 828. Hafengeburtstag in Hamburg. Wir fuhren in unserem Heimatort in der Nähe von Friedberg/Hessen gegen 12.00 mittags los und waren nachmittags in Hamburg, wo wir gleich in unser Hotel eincheckten.
Zwar habe ich ausreichend Familie in Hamburg, wo wir Unterschlupf finden könnten, aber es gibt 2 schwerwiegende Gründe, weshalb wir am Hafengeburtstag ein Hotel in der Speicherstadt aufsuchen: 1. sind wir sofort und umgehend im Getümmel und können soviele miese Cocktails trinken wie wir wollen, ohne den Führerschein gefährden zu müssen. 2. Das Hotel verfügt über die besten Franzbrötchen in ganz Norddeutschland – und ich bin bekennender Franzbrötchenfan. Ich habe schon diverse getestet und Bäckerei Junge hat sehr, sehr, sehr gute. Aber was unser Hotel morgens bietet, ist meiner Meinung nach unerreichbar. Ich würde nachts unter einer Brücke schlafen, wenn ich morgens das Franzbrötchen in diesem Hotel bekommen könnte.
Und sie enttäuschten mich dieses Jahr nicht. Sonst völlig quasselnd – auch morgens – schon unterwegs, bat ich meinen Weltbesten um absolute Ruhe während ich meinen ersten Bissen Franzbrötchen auf meiner Zunge zergehen ließ. Himmlisch!
Ihr wisst etwa nicht, was Franzbrötchen sind????  – Nun gut, ich tendiere dazu „Pech“ und „selber Schuld“ zu sagen, aber tatsächlich handelt es sich um ein norddeutsches Hefegebäck mit viel Zimt und Zucker. Es gibt mittlereweile auch in Hessen vereinzelte Bäcker, die Franzbrötchen verkaufen, doch am besten schmecken sie in Hamburg. Und wehe, einer von Euch meint, es wären Zimtschnecken…. ich war kurz davor einer sehr lieben Freundin von mir die Freundschaft aufzukündigen, als sie meinte, Franzbrötchen wären doch wie Zimtschnecken… Sie sah ihren Irrtum ein und wir sind weiterhin sehr gut miteinander befreundet (Piet – es war aber sehr knapp! Du weißt das ;-))

Wir checkten also in unser Hotel ein, zogen uns kurz um, weil urplötzlich die Sonne herauskam und zogen auf den Hafengeburtstag los. Ein wunderbares Motto zwischen meinem Liebsten und mir lautet eigentlich immer: Nix muss, aber alles geht. So meldet jeder seine Wünsche an und wir schauen, wie wir alles unter einen Hut bekommen. Zur allergrößten Not gehen wir für eine Weile getrennte Wege, weil manches dann doch muss, was den anderen nicht so sehr interessiert. In Hamburg war das aber nicht der Fall und wir schlenderten als erstes durch den Museumshafen in der Hafencity. Dazu betraten wir eine wunderschöne Treppe, die leider zu meinen extremen Fun Facts/ Traumata/Schwächen gehört… sie ist aus Gittern. Aus welchen Gründen auch immer kann ich diese Art von Treppen weder hoch noch runter gehen. Mir wird bei dem Anblick grundsätzlich schwindelig und leicht panisch zumute. Diesmal stieg ich die ersten Stufen ohne Probleme rauf, bis mein Partner mich lobte, dass ich diese Treppe so problemlos aufsteige… von jetzt auf gleich wurde ich gewahr, dass es sich um Gitter handelte und geriet genauso schnell ins Stolpern und in seichte Panik. Hätte er mich doch bloß nicht gelobt – aber so wurde ich meiner eigenen Panik gewahr und mein Kopf spielte mir sogleich einen Streich.

 

Als wir uns am nächsten Tag dieser Treppe näherten, fragte ich vorsorglich, ob wir die Treppe nehmen MÜSSEN oder ob wir eventuell den anderen Weg (den es gab) gehen KÖNNTEN. Die Antwort meines Partners war: „Da ist schon eine tendentiöse Aussage drin.“ Wir umgingen diese Höllentreppe und setzten uns vor den Chili-Club in der Hamburger Hafencity. Irgendwann begann er meinen Rücken zu berühren und da es mich dort gerade juckte, sagte ich: „Weiter links… ein Stück weiter runter…“ und dann schrie ich scheinbar etwas lauter: „DA! DA! DA! DA!…“ Auf der Bank neben uns kam nach einer kurzen Zeitverzögerung ein lautes Lachen. Warum? Die lustigen Damen hörten nur mein „DA! DA! DA!“ und guckten wie blöd um sich herum, weil sie meinten, da wäre etwas Aufregendes zu gucken. Als sie merkten, worum es ging, fielen wir alle in schallendes Gelächter.

Am ersten Tag schlenderten wir dann noch zu den Landungsbrücken und bekamen zufällig an einem sehr guten Aussichtspunkt mit, wie die Aida prima einlief, um sich für ihren Feuerwerkabschied zu positionieren.

Letztes Jahr sahen wir uns das Feuerwerk aus der Hafencity an und das war schon sehr beeindruckend. Dieses Jahr nahmen wir in einem Steakhouse am Anleger platz, bestellten uns etwas zu essen und zu trinken und  hatten nicht nur die Aida sondern auch gleichzeitig das Feuerwerk direkt vor der Nase.

Nachdem wir bereits genüsslich Rotwein getrunken hatten, rundeten wir mit einem Cocktail, dem Long-Island-Icetea unsere Leberwerte ein wenig nach oben ab. Die meisten Besucher drängten sich jetzt nicht mehr vor den Buden sondern an den U-Bahnhöfen und als mein persönlicher Held einen Stand entdeckte, wo man mit Pfeil und Bogen der Liebsten irgendeinen Kitschkram schießen konnte, war er nicht mehr zu halten. Ein Pfeil jagte den nächsten und ich durfte mir bei den Trostpreisen dann etwas aussuchen.
Und dann kam ein weiteres Trauma (nach der Gittertreppe) in Form von Dosenwerfen auf uns zu. Ich ahnte schon, was jetzt kommen würde und es kam: „Süße, werfe doch mal auf die Blechdosen! Wir gehen auch alle in Deckung!“ – Hintergrund dieses traumatischen Vorschlags ist der, dass ich 3 Dinge ganz besonders schlecht bzw. überhaupt nicht kann. Kopfrechnen, Blinzeln mit einem Auge ohne das gesamte Gesicht zu verziehen und/oder das andere Auge gleich mitzuschließen und Werfen/Zielen. Wenn alle anderen am Ufer Steine ins Wasser werfen, werfe ich sie mit viel Glück gerade mal in eine tief in den Strand ausrollende Welle, quasi vor meine Füsse. Dazu noch soll das alles sehr lustig aussehen, wenn man danach geht, wie sich mein Partner dabei immer amüsiert. Und wer nicht werfen kann, kann eigentlich automatisch auch nicht zielen.
Nachdem wir an der Bude dem Personal ausreichend Sicherheitshinweise gegeben hatten, warf ich die 3 Bälle auf die Dosen – dachte ich. 2 trafen die obersten, der 3. ging dosenlos durch das entstandene Loch daneben. Aber immerhin durfte sich mein Liebster auch etwas bei den Trostpreisen aussuchen und was wählte er….? Eine blaue Plastikblockflöte und stimmte zugleich „Alle meine Entchen“ an.

Unsere Trostpreise

Ganz oben auf dem Programm stand bei mir übrigens auch ein Besuch in der Elbphilharmonie. Leider konnte ich den tollen Endloseffekt der Rolltreppe wegen der vielen Menschen nicht so ganz mitbekommen. Dennoch war die Plaza unglaublich beeindruckend und ich werde bestimmt noch öfter dort sein.

 

 

 

Der eigentliche Grund unseres Besuchs in Hamburg war dann am Sonntag dran. Meiner Mutter und meinem Partner hatte ich jeweils zum Geburtstag einen Segeltörn mit der Auslaufparade geschenkt. Für uns war es der Zweite, für meine Mutter der Erste und sie war restlos begeistert.

Auf der Antigua konnten wir auch Segel hissen und später wieder einholen – ganz ohne Schwielen an den Händen. Mein hessischer Seebär kennt sich übrigens bestens mit sämtlichen Segelschifftypen aus und erzählt auch gleich immer, um was für ein Segelschiff es sich handelt. Ich hingen höre zwar gerne aufmerksam zu, vergesse aber sehr schnell die Fachbegriffe. Er raunt mir also zu, dass es sich bei der Antigua um eine Barkentine handelt, weil sie diese und jene Masten hat, die mal so und mal so getakelt werden. 5 Minuten später habe ich den Begriff bereits vergessen, weiß nur noch, dass es mit „B“ anfing und irgendwie hinten recht weiblich endete… soviel kann da ja nicht schiefgehen. So wurde aus der Barkentine ratzfatz eine Barbirette. Letzteres kann ich mir auch gut merken. Während ich eben beim Schreiben nochmal genau nachdenken mußte, wie das Schiff nun wirklich hieß, flutschte die Barbirette gleich raus.
Der Törn war gigantisch. Eigentlich war wolkiges Wetter vorhergesagt, aber die Wolken waren deutlich in der Minderheit und die Sonne schien, auch wenn es etwas kühl war, aber dafür waren wir alle gerüstet.

 

 

 

Der nächste Tag bot dann Hamburger Schmuddelwetter und wir fuhren nach Kiel zum Norwegenanleger. Pünktlich um 14.00 legten wir ab. Eigentlich wollte mich mein Partner mit dieser Reise bei Abfahrt in Hamburg überraschen, aber er gab diese Überraschung glücklicherweise schon vorher bekannt und ich bin froh darum. So hatte ich die Vorfreude und ausreichend warme Kleidung, denn Oslo sollte kalte werden.

Beim Anblick dieses Bordrestaurants musste ich spontan an die Titanic und mein mulmiges Gefühl bekam Nahrung.

 

 

Eine Shopping-Mall auf einem Schiff war für uns irgendwie befremdlich. Wir werden wohl nie richtige Kreuzfahrfans werden.

 

Ein weiterer Grund, weshalb ich froh war, dass ich schon vorher von der Reise wußte, war der, dass mich diverse Eindrücke manchmal fast schon überfordern. Und so ist es auch jetzt. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte es vorher nicht gewußt, wäre ich jetzt wahrscheinlich völlig durch den Wind.

Oslo, insbesondere der Vigelandpark stehen schon seit vielen, vielen Jahren auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt sehen möchte. Und obwohl ich nun da war, kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich diese unglaublich beeindruckenden Skulpuren wirklich gesehen habe. Immer wieder schaue ich mir die Fotos an, um mich zu vergewissern, dass ich dort war.
Das wichtigste Foto ist allerdings mein Gedankenfoto. Ich nenne es immer so, weil ich mich dann an besonderen Orten oder besonders schönen Momenten ganz darauf einlasse und ein innerliches Foto mache, auf dem nicht nur der Anblick sondern auch die Atmosphäre, das Wetter, das Gefühl mit dabei ist. So stand ich in diesem Park, blickte auf die Brücke mit den Skulpturen, hinter mir die Steinsäule und ich machte mein Gedankenfoto, wobei mir spontan Tränen des Glücks in die Augen schossen und ich brauchte ganz dringend die Schulter meines Partners, um diesen Überschuss an Glück rausheulen zu können.

 

Was mich sehr bei den Skulpturen beeindruckt hat, ist der immer wieder auftauchende Kreislauf des Lebens. Baby, Kinder, junge Menschen, alte Menschen bis hin zum Tod… Man steht zwischen diesen riesigen Kunstwerken und hat das Gefühl, mitten im Leben zu sein. Es ist alles da… von der Geburt bis zum Tod und alles ist schön, auch die zwischenmenschlich dargestellten Beziehungen.
Erstaunlich fand ich auch die vielen Darstellungen von Vätern mit Kindern, denn Gustav Vigeland lebte von 1869 bis 1943 – einer Zeit, wo Väter zumindest bei uns keine große Rolle in der Erziehung spielten.

 

 

 

 

 

 

Und als ob es untermauert werden sollte, begegneten uns zahlreiche Kindergartenkinder (alle mit Miniwarnwesten) und ihren Erzieherinnen und Erziehern, Wir zählten in der einen Gruppe 15 Kinder und 3 Erzieherinnen und 2 Erzieher. Die Kleinen tollten zwischen und auf den Figuren herum. Kunst zum Anfassen.

 

Das Wenige, was ich von der Stadt Oslo gesehen habe, gefiel mir sehr gut. Die alten Häuser erinnern mich an Hamburg. Und wir hatten das große Glück, die Magnolienblüte dieses Jahr ein zweites Mal erleben zu dürfen.

 

 

 

 

Ich wünsche eine sonnige Restwoche, Eure